Baden-Württemberg: Autoland wird grüne Zone

Von Stefanie Gerdsmeier

 

Groß war die Freude bei den 80 Akteuren aus Industrie und Wissenschaft, die im Cluster "Elektromobilität Süd-West" organisiert sind, als das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Entscheidung über die Sieger des Spitzencluster-Wettbewerbs 2012 bekanntgab. "Unsere vier Innovationsfelder Fahrzeug, Energie, IKT und Produktionstechnik haben wir optimal dargestellt", freut sich Franz Loogen, Geschäftsführer der Landesagentur e-mobil BW. Die Agentur ist die zentrale Anlaufstelle in Baden-Württemberg für Elektromobilität. Vom Bund erhält der Cluster nun 40 Millionen Euro. Ziel ist es, die Elektromobilität in Deutschland voranzubringen und in marktgerechte Produkte umzusetzen.

 

"Als Autoland steht Baden-Württemberg bei der Erforschung ressourcenschonender und klimafreundlicher Mobilität besonders in der Verantwortung", sagt Loogen. Denn Baden-Württemberg profitiert von der Branche. Im Südwesten Deutschlands arbeiten etwa 350.000 Beschäftigte im Fahrzeugbau. Und im Bereich Elektromobilität dürften es noch deutlich mehr werden. Bis 2020 sollen 10.000 neue Arbeitsplätze in Baden-Württemberg entstehen, geht aus der "Strukturstudie BWe mobil" hervor. Das Autoland erwirtschaftet jedes Jahr einen Umsatz von rund 110 Milliarden Euro in diesem Bereich. Weil der Verkehrssektor in Deutschland mit über 50 Prozent der größte Erdölverbraucher und dazu noch für ein Fünftel der CO²-Emission verantwortlich ist, müssen "grüne" Modelle her. Das Land hat schon früh die Weichen in Richtung ökologischer Mobilität gestellt. Der Cluster existiert seit 2008.

 


Brennstoffzellen oder Batterie

Schon jetzt gibt es im Clustergebiet eine Vielfalt an Elektrofahrzeugen: Hybride, batterieelektrische Gefährte und Brennstoffzellenfahrzeuge. "Die Automobilbranche muss die Forschung sowohl zur Elektrifizierung des Antriebs als auch für sparsamere Verbrennungsmotoren meistern", erklärt Loogen die größten Herausforderungen. Komfort und Kosten sind die heißesten Themen. Gerade im Gütertransport sind große Reichweiten wichtig. Während batteriebetriebene Fahrzeuge besser für den Stadtverkehr geeignet sind, bieten sich Brennstoffzellenfahrzeuge für Langstrecken an. Ab 2015 will die Automobilindustrie in Baden-Württemberg Brennstoffzellenfahrzeuge in Serie anbieten. Zurzeit wird die Technik als normaler Pkw vom Land Baden-Württemberg in Kleinserie eingesetzt.

 

Auch beim Thema Kosten hat der Cluster schon vorzeigbare Ergebnisse erzielt. Von 1.000 Euro pro Kilowattstunde haben sich die Kosten für Fahrzeugbatterien in den vergangenen drei Jahren halbiert und könnten schon bald auf 350 Euro pro Kilowattstunde gesenkt werden. Der Wertschöpfungsanteil einer Batterie am Gesamtfahrzeug liegt bei rund 30 bis 40 Prozent. Mit dem Zentrum für Sonnenenergie und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) wird in dem Bundesland Vorzeigeforschung für Batterie- und Speichertechnologie betrieben. Hier wird die Lithium-Ionen-Technologie weiterentwickelt. Das ZSW ist nicht das einzige Forschungsinstitut im Südwesten, das die Batterieforschung vorantreibt.

 

Auch das neugegründete Helmholtz-Institut Ulm für Elektrochemische Energiespeicherung, das Max-Planck-Institut für Festkörperforschung und das Fraunhofer ICT beschäftigen sich damit. Das Fraunhofer ICT setzt auf Redox-Flow-Batterien, die die Lithiumtechnik ablösen könnten. Redox-Flow-Batterien bieten die Möglichkeit der Stromerzeugung durch Flüssigkeitsaustausch. 

 

Aber all das funktioniert nicht ohne die mittelständische Zulieferstruktur. Teamwork heißt die Devise. Nur so können die Baden-Württemberger schneller sein als die internationale Konkurrenz. Das sieht auch Thomas Speidel so. Er führt das Familienunternehmen Ads-tec und ist von Anfang an im Cluster aktiv. "2008 haben wir erkannt, dass großformatige Batterien ein neuer Markt werden. Und im Cluster treffen die Fachleute zusammen, da geht es ans Eingemachte."