Scharfer Blick

- Quelle: sxc.hu
Leica, Minox, Zeiss – diese Firmen haben einen jahrzehntelangen Einfluss auf die deutsche Wirtschaftsgeschichte ausgeübt. Ihre Prominenz liegt in der Optik. Und darüber hinaus verbindet sie noch eine Gemeinsamkeit: Die Standorte der drei Unternehmen mit den klingenden Namen befinden sich in der mittelhessischen Stadt Wetzlar.
Dort sowie in der umliegenden Region haben sich eine Reihe von Unternehmen aus der Optikbranche angesiedelt. Sie alle verbindet ein gemeinsames Interessen an der optischen Industrie. Das führte zu der Gründung des Industrienetzwerks Wetzlar Network vor einem Jahr. Thorsten Kortemeier, Vorsitzender und Geschäftsführer des Kameraherstellers Minox, hält es gar für eines der „wichtigsten Wirtschafts- und Kompetenzzentren weltweit“. Doch in erster Linie soll sich die Konzentration auf das Naheliegende bewähren. Und das ist nun mal der regionale Wirtschaftsraum. Dieser soll „in Optik, Elektronik und Mechanik vernetzt, gestärkt und aktiv weiterentwickelt werden“.
Wachsender Zulauf
Bereits 72 Unternehmen aus der optischen, elektronischen und mechanischen Industrie sind Mitglieder. Sie nutzen das Wetzlar Network als Vermittler, Kommunikator und Multiplikator. Ihre Kompetenzen und Innovationspotenziale sollen sich durch die Vernetzung noch gezielter nutzen lassen. Es schafft die kooperative Basis dafür, dass das einzigartige Branchenprofil dieser Industriesegmente sowohl in der Region als auch im nationalen und internationalen Wettbewerbsumfeld besser wahrgenommen wird. Beistand und Unterstützung findet des Wetzlar Network auch bei der Wirtschaftsförderung der Stadt Wetzlar, dem Wirtschaftsministerium des Landes Hessen, der IHK Lahn-Dill, dem Regionalmanagement Verein MitteHessen sowie durch Industrieunternehmen und Hochschulen aus der Region. Auch eine gemeinsame Warnung vor der extremen Verteuerung der für die optische Industrie wichtigen Seltenen Erden, die fast nur aus China zu bekommen sind, zeigt im Netzwerkauftritt mehr Wirkung als es den Unternehmen im Alleingang gelingen würde.
Kontakte ausbauen
„Ich halte es für sehr sinnvoll, dass man gemeinsame Interessen und die vorhandenen Kompetenzen öffentlich macht“, sagt Manfred Throl, Chef von Throl Optics. Seine Spezialität ist das Berechnen von Headup Displays für Unternehmen der Automobilindustrie. Das Netzwerk nutzt er, um mit Firmen in der Region zusammenzuarbeiten. „Über die Veranstaltungen im Verbund lernt man sich gegenseitig besser kennen.“ So zeigte beispielsweise bei einem Themenabend ein Materialeffizienzberater, wie sich der Materialeinsatz und die Kostenstrukturen verbessern lassen. Für das zweite Quartal dieses Jahres soll eine Kolloquiums-Reihe anlaufen. Die Abendveranstaltungen sollen Mitglieder und regionale Interessenten ansprechen. Dabei geht es um Fachthemen aus den Unternehmen, der IHK, den Hochschulen der Region oder um übergeordnete Bereiche. Zu einer Fachtagung lädt der überregional in Hessen und Rheinland-Pfalz tätige Partner des Kompetenznetzes Optische Technologien Optence e.V. regionale und externe Referenten aus der optischen, elektronischen und mechanischen Industrie ein. Neben der Außendarstellung durch das eigene Printmagazin „W3“ liefert auch die Website www.wetzlar-network.de einen Einblick in die Aktivitäten.
Solche Informationen sind es letztlich, die das Netzwerk für Throl interessant machen. Mehr erwartet er nicht. „Ob eine Zusammenarbeit zustande kommt, die wirtschaftliche Vorteile bringt: Da bin ich eher skeptisch“, sagt der Optikexperte.
Von Michael Dörfler
