Wachstumsmarkt China: Copied in China?

- Quelle: privat
(stg) L. Wu ist Finanzchefin eines chinesischen Handtaschenproduzenten. 2012 soll im Zeichen weiteren Wachstums stehen, das Unternehmen plant die Teilnahme an Messen und braucht eine erweiterte Produktpalette. „Wir suchen einfach ein Design eines deutschen Herstellers, passen die Produkte im chinesischen Stil an und geben dem Kind einen italienischen Namen“, schlägt Wu vor. Musterstücke stehen schon seit einiger Zeit im Vorraum des Sitzungszimmers. „So erlebt“, sagt Sinologin Sylvia Roth. Wus Idee ist in vielversprechend und wird in China täglich in die Tat umgesetzt, weiß die Expertin. Mit gefälschten Markenaccessoires lassen sich in regionalen Märkten sehr gute Geschäfte machen.
In Deutschland werden hauptsächlich die aufsehenerregenden Fälschungen bekannt, wie die gefälschten Apple-Stores. Einen ebenso großen Schaden verursacht der Ideenklau aber in Nischenmärkten. Geschäftsideen deutscher Mittelständler werden von Chinesen, die in Deutschland leben, in China vorgestellt, nachgebaut und verkauft. „Das Screening in Deutschland läuft jeden Tag“, sagt die Expertin. Kein Unternehmen sei vor Produktpiraterie in China sicher, auch wenn dieses bewusst nicht selbst in China tätig sei.
Dabei helfen auch Online-Plattformen wie Ebay oder Taobao als rasante Distributionshilfen für Nachahmer-Betriebe, denn nicht jeder Verkäufer wird auf die Markenechtheit seiner Ware geprüft. Eine chinesische Redewendung heißt: „Um dem Meister zu dienen, ist es wichtig, sein Werk zu kopieren.“ Dumm nur, dass derjenige, der die Idee hatte, nicht profitiert.
„Heutzutage steht der Profit im Vordergrund“, steht für Roth fest. „Frau Wu und ihre Kollegen wollen Geld verdienen und die Moral bleibt bei dem Wunsch, an den hohen Wachstumsraten des Landes mitzuverdienen, auf der Strecke.“ Blindes Kopieren kann in China allerdings juristisch verfolgt werden. Deshalb prüfen Chinesen das Design auf eventuell bestehende Rechte im chinesischen Raum. „Frau Wu wird eine Anfrage an das chinesische Markenamt stellen, ob die Marken als Wort- und Bildmarke des deutschen Unternehmens bereits in China eingetragen und geschützt sind“, vermutet die Expertin. „Und sie wird prüfen lassen, ob Geschmacksmuster auf die Designs in China lokal eingetragen wurden.“ Ist das nicht der Fall, gibt es in China kaum rechtliche Hindernisse, Sanktionen sind für die Nachahmer nicht zu erwarten.
Markenanmeldung ist teuer, aber ratsam
Aus Urheberrecht Ansprüche durchzusetzen, ist in der Praxis meist schwierig und langwierig, dafür müssen Urheberrechte auch nicht eingetragen werden. Aus eingetragenen Marken- und Geschmacksmusterrechten gegen chinesische Unternehmen vorzugehen, funktioniere in der Praxis mittlerweile sehr gut, bestätigt Rechtsanwältin Barbara Scharrer: „Für jedes deutsche Unternehmen, auch für Mittelständler in Nischenmärkten, empfehle ich die Markenanmeldung in China. Entweder als internationale Anmeldung oder, noch besser, als lokale Anmeldung beim chinesischen Markenamt.“ Das chinesische Recht kennt Markenrechte, Geschmacks- und Gebrauchsmuster, Patente und Urheberrechte. Die Rechte eintragen zu lassen, ist allerdings aufwendig und kostspielig. Der Schutzzeitraum einer lokalen Markenanmeldung besteht für einen Zeitraum von 10 Jahren und kann immer wieder verlängert werden. Die Kosten belaufen sich auf etwa 1.000 bis 3.500 Euro. Wichtig ist, nicht nur die lateinischen Buchstaben des Produkt- oder Unternehmensnamens schützen zu lassen, sondern auch eine Übersetzung ins Chinesische, also einen chinesischen Markennamen, anzumelden.
