Wachstumsmarkt China: Die Standortwahl

Quelle: privat

(stg) Die Berliner Eckert & Ziegler Medizin- und Strahlentechnik AG wünscht sich eine Präsenz in China. Der Aufbau ist eins der großen Ziele für das kommende Jahr (mehr dazu lesen Sie diesen Freitag hier im Interview mit Geschäftsführer Andreas Eckert). Vielen Unternehmern geht  es ähnlich, andere sind bereits vor Ort und stellen sich den Herausforderungen des Markteintritts in China. Doch welches sind die besten Standorte in China?

 

Für den Einkaufsleiter eines mittelständischen Automobilzulieferers steht fest: „Das Zentrum der chinesischen Automobilproduktion liegt in Shanghai.“ Auch der Geschäftsführer einer kleinen Münchner Entwicklungsfirma, der seine Dienstleistungen einem führenden deutschen Elektrohändler verkaufen möchte, setzt auf die Stadt: „Wer in China Softwarelösungen entwickeln und einkaufen will, sollte sich nach Shanghai begeben.“

 

Wo, wenn nicht in Shanghai? Das denken viele Unternehmer, die in den chinesischen Markt eintreten wollen. Und die 18-Millionen-Stadt ist tatsächlich eine der führenden Wirtschaftsmetropolen Chinas. China, ein Land mit 1,34 Milliarden Menschen, davon rund 800 Millionen Erwerbstätige, erstreckt sich über eine Fläche von 9,6 Millionen Quadratkilometer und hat 22 Provinzen, fünf autonome Gebiete und vier regierungsunmittelbare Städte. Eine davon ist Shanghai.

 

Hohe Kosten, hohe Fluktuation

Aber die große Ansammlung von deutschen Unternehmen in Shanghai bringt auch Nachteile mit sich: „Das Clustering deutscher Unternehmen in Shanghai trägt maßgeblich zu den hohen Personalfluktuationsraten bei deutschen Unternehmen in China bei“, ist Sylvia Roth, Sinologin und Trainerin für den chinesischen Markt sicher. Die Anhäufung deutscher Investitionen in Shanghai zeige, „dass sich deutsche Firmen bei ihrer Investition in den chinesischen Markt gerne vom Cluster Shanghai beeindrucken lassen und somit auch zu Leidtragenden werden, die die erhöhten Kosten dieses exklusiven Standortes mittragen müssen“, erzählt die Expertin.

 

Egal welche China-Strategie ein Unternehmen fahren will, sei es der Komponenteneinkauf, der Aufbau einer lokalen Produktion, der Verkauf von deutschen Produkten in einem stetig wachsenden Absatzmarkt oder die Teilnahme an den prestigeträchtigen, staatlich geförderten Großprojekten der chinesischen Regierung, es kann sich für ein deutsches Unternehmen durchaus lohnen, den Shanghaier Speckgürtel zu verlassen.

 

Die chinesische Industrie ist in regionale Branchen-Cluster organisiert, die sich auf das ganze Land verteilen. Und die Städte, die bislang in der zweiten oder dritten Reihe standen, drängen sich immer weiter vor, bilden interessante Absatzmärkte im Konsumbereich und können häufig mit einer guten Infrastruktur überzeugen.

 

Aus der zweiten Reihe ganz nach vorn

Derzeit kristallisiert sich in Beijing das IT- und Elektronikzentrum Zhongguancun heraus, das chinesische Silicon Valley, mit den dort stationierten Zentralen von Intel, AMD, Motorola und weiteren etablierten chinesischen Software-Firmen. Das Zentrum der chinesischen Automobilproduktion liegt schon seit vielen Jahren nicht mehr im Großraum Shanghai, auch wenn der deutsche Konzern Volkswagen dort seinen Stammsitz hat. BMW, als weiterer großer deutscher Player, fokussiert in Richtung Nordchina und lässt in der Stadt Shenyang produzieren. Gleiches gilt für Audi, die schon lange als Joint Venture-Partner in der nordchinesischen Stadt Changchun aktiv sind und zurzeit weitere Werke in China planen und bauen.

 

„Die chinesische Regierung unternimmt nicht erst seit In-Kraft-Treten des aktuellen Fünf-Jahresplans verstärkt Anstrengungen, den Binnenmarkt zu fördern und die Entwicklung des Landes weg von der Küste Richtung Landesinnere zu stärken“, erklärt Rechtsanwältin Barbara Scharrer, die Mittelständler schon seit 15 Jahren auf ihrem Weg nach China begleitet. Es empfehle sich auf jeden Fall, vor Planung, Auf- oder Ausbau von Einkauf, Vertrieb, Produktion oder der Suche nach einem chinesischen Kooperationspartner den Markt regional zu betrachten. Schließlich würden Unternehmer auch nicht auf die Idee kommen, die vergleichbare Fläche von Norwegen bis Sizilien und von der Westküste Frankreichs bis zum Ural  als homogenen Markt zu betrachten und aus einem einzigen Standort heraus zu bedienen.