Wo sich's am besten lernen lässt

Inge Werb ist Wirtschaftsförderin von Bamberg.

Von Stefanie Gerdsmeier

 

Die Bamberger Wirtschaftsförderung hat dazu beigetragen, den Landkreis im Bereich Lernen zu einem der erfolgreichsten Gebiete in Deutschland zu machen. Denn einen Spitzenplatz bescheinigt der „Deutsche Lernatlas“, der die Lernbedingungen in allen 412 Kreisen und kreisfreien Städten misst, Bamberg.

 

Die Bertelsmann-Stiftung hat die Kreise und Städte zu den vier Dimensionen, schulisches, berufliches, soziales und persönliches Lernen überprüft. Dabei zeigt sich, dass Kreise und kreisfreie Städte in Bayern und Baden-Württemberg in Deutschland die besten Lernbedingungen bieten. Sachsen, Rheinland-Pfalz und Hessen folgen auf den Plätzen drei bis fünf.  Die vier Dimensionen verdeutlichen, dass es dem Lernatlas keineswegs darauf ankommt, nur PISA-Ergebnisse zu verbreiten, hier geht es um mehr als schulische Leistungen. Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, erklärt: „Der Deutsche Lernatlas verdeutlicht, dass Lernen mehr ist als Schule.“

 

Genau deswegen hab sich auch die Bamberger Wirtschaftsförderung mit dem Thema auseinandergesetzt. Wirtschaftsförderin Inge Werb erklärt: „Als Wirtschaftsförderung sind wir an der Schnittstelle zwischen schulischem und beruflichem Lernen angesiedelt.“ Hier engagiert sich die Wirtschaftsförderung als Impulsgeber, stellt Kontakte her, veranstaltet aber auch selbst Aktionen, um Schulen und Unternehmen zusammenzubringen.

 

Das Engagement der Wirtschaftsförderung im Lernbereich sieht Werb eng verknüpft mit der Gründung des „Strategiekreises Demographie“ vor drei Jahren. Während die Bildung anderswo ausschließlich beim Schulausschuss aufgehängt ist, hält Werb dies für zu kurz gedacht. Sie glaubt, dass die Zusammenarbeit von Unternehmen und Schulen gestärkt werden müsse, um den steigenden Bedarf an Fachkräften auch in Zukunft sicherstellen zu können. Und das sei nicht nur Sache der Schulen. Vor zwei Jahren wurde in der Region deswegen eine Bedarfserhebung bei den Unternehmen durchgeführt. Die Wirtschaftsförderung arbeitete hierzu mit der Wirtschaftsregion Bamberg-Forchheim GmbH zusammen. „Wir haben herausgefunden, dass Unternehmen einen hohen Bedarf an Qualifizierungen zu Maschinen- und Anlagenführern hatten“, erzählt Werb. Entsprechende Qualifizierungsmöglichkeiten führten die Projektpartner durch, finanziert wurde das ganze durch ESF-Mittel.

 

In einem anderen Projekt hilft die Wirtschaftsförderung bei der Organisation einer Ausbildungsmesse. Jedes Jahr findet die Messe statt, jedes Jahr unterstützt die Wirtschaftsförderung Schüler und Unternehmen, sich gegenseitig kennen zu lernen. Auch Sonderpraktika, in denen Schüler einmal in der Woche in Unternehmen arbeiten, gibt es in Bamberg. „Was die inhaltliche Kompetenz angeht, können wir weder bei den Unternehmen noch bei den Schulen etwas zufügen“, ist Werb klar. „Aber wir können Verbindungen knüpfen.“ Deswegen ist sie überzeugt, dass die Wirtschaftsförderung nicht unbedingt als Projektträger in Erscheinung treten müsse, sondern vielmehr als Impulsgeber Aktionen anstoßen sollte.

 

Auch um eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gewährleisten, engagiert sich die Wirtschaftsförderung. „Wir brauchen jeden Arbeitnehmer und jede Arbeitnehmerin und müssen diese deswegen auch so gut wie möglich unterstützen“, sagt Werb. Deswegen sieht sie es auch als eine Aufgabe der Wirtschaftsförderung, Unternehmen zu sensibilisieren und zum Beispiel Frauen den Wiedereinstieg durch Fortbildungsmöglichkeiten zu vereinfachen.

 

Das jüngste Projekt der Wirtschaftsförderung, das im nächsten Jahr an den Start gehen soll, trägt den Namen „Kompetenz stärken für junge Hauptschüler“. Durch musische, sportliche und zirkuspädagogische Angebote soll Hauptschülern Selbstbewusstsein vermittelt werden. „Natürlich sind sie dann auch interessanter für den Arbeitsmarkt“, erklärt die Wirtschaftsförderin. Und auch hier gilt: „Bei solchen Projekten übernehmen wir eine Moderationsfunktion und bringen eigene Personalressourcen ein, immer im Hinblick auf Fachkräftesicherung und um qualifizierte Auszubildende in der Region zu halten.“